Freitag, 12. Oktober 2007

Buch 12: Johann Paul Knohll – ein Leben für den Weinbau

Johann Paul Knohll – ein Leben, Wirken und Werken für die Welt des sächsischen Weinbaus

Wer war Johann Paul Knohll? Etliche Autoren haben, wie in unserem Text gezeigt, Antworten darauf versucht und Einschätzungen dazu gegeben. Was an dieser Stelle festzustellen bleibt, ist: Johann Paul Knohll hat frühzeitig ein beachtliches, wissenschaftliches landwirtschaftliches Lehrbuch über Weinbau geschrieben. Er hat darüber hinaus aber auch ein Buch bester Tradition des 16. und 17. Jahrhunderts der speziellen Hausväterliteratur geschrieben, denn gemäß dem oft übersehenen Untertitel heißt es ”Allen Hauß-Vätern / so mit dergleichen zu thun / besitzen / umgehen / sich gebrauchen / und darvon nehren / zu einen sonderbaren Nutzen und Besten” und im Text selbst werden wiederholt die fürstlichen und bürgerlichen Bergherren und Hausväter adressiert.

Er wollte gerade ihnen zu ihrem eigenen Nutzen durch die ausführliche Kommentierung der konventionellen Arbeiten die Augen für die persönliche Kontrollierung aller Weinbergsarbeiten nach der vorgeschriebenen ”Weingebürgs-Ordnung” von 1588 öffnen und nahelegen - vergeblich. Die bürgerlichen Bergherren und fürstlichen Weinbergsbesitzer mögen es ihm gedankt oder milde nachgesehen haben, die hiesigen Winzer haben es ihm nie verziehen. Knohlls selbstgewähltes literarisches Lößnitz-Los lag spätestens ab 1667 zwischen Pflicht und Prügel. Er hatte, zerrieben zwischen den Profit- und Pläsierwünschen der Weinbergseigner einerseits, der Plackerei und den Plagen der Weinbergsarbeiter andererseits und einer bereits am fernen Horizont wetterleuchtenden Degeneration und Dekadenz im sächsischen Weinbau allerseits, nie eine Chance zu gewinnen.

Johann Paul Knohll war ein ordentlicher und ordnungsliebender Bau- und Bergschreiber, in der Hoflößnitz an einem eher ruhig gelegenen Ort, allerdings zu unordentlichen und in Unordnung geratenen Zeit- und Zahlungs-, mit ebensolchen Organisations- und Arbeitsverhältnissen. Er hatte etwas, was bis heute noch nicht ineinander aufgehen kann: er war theoretisch studiert, praktisch fundiert, professionell versiert, persönlich engagiert und – politisch lästig. Nach dem Regel- und Sprachverständnis des seit dem 11. Jahrhundert an den europäischen Fürstenhöfen eingeführten Schachspiels war er wohl mit der landesherrlich verfügten Versetzung aus seinem Lößnitzer Wirkungskreis im Wortsinne ein ”Bauernopfer”.

Was spätestens an der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert, nach den ausführlichen Verordnungen und Einlassungen der Weinbergsordnung, sowie Dehn-Rothenfelsers und Knohlls Fachbüchern, für den sächsischen Weinbau festzustellen gilt, ”sind wirtschaftliche, weinbauliche und wissenschaftliche Widersprüche zwischen einerseits eines vorhandenen Bestandes progressiver Weinbaupublikationen für die Theorie und andererseits ihre tatsächliche unprofessionelle Vermittlung und Verwendung in der Praxis, die zusätzlich durch staatliche, ständische und struktuerelle Widerstände paralysiert ist.” Was zu erwarten gewesen wäre, als resultierende Reaktion auf den permanenten Rückgang, die Rückständigkeit und auch Rücksichtslosigkeit im sächsischen Weinbau jener Zeit, wäre ein Ruck zur Rückkehr zu Initiativen und Impulsen gewesen, die Herz, Hirn und Hand aller am, im und vom Weinbau Beteiligten und Betroffenen hätten aktivieren können (PARDUN, 2000).

Aber dieser Ruck ließ immer wieder auf sich warten, bis nach 1870 irgendwann als äußeres Ereignis die Reblaus auch in Sachsen rücksischtslos an die Wurzeln des Weinbaus ging. Erst die allgemeine Einsicht der Winzer, daß dies das gänzliche Aus des sächsischen Weinbaues bedeuten dürfte, brachte eine Wende.

Der allmählich Aufschwung bis zum heutigen Tage im sächsischen Weinbau setzte erst wieder nach 1910 mit kontinuierlicher Entwicklung und schrittweisen Erfolgen ein (FEHLING/PARDUN, 1998). Heute wird in Sachsen auf rund 450 Hektar Anbaufläche und auf einer Länge von etwa 60 km rechts und links der Elbe Weinbau betrieben. Sachsen ist das 13. bestimmte Anbaugebiet Deutschlands. Weinbau in Sachsen ist ein Bestandteil der Landschaft, von Kunst und Kultur und eine Stütze von Wirtschaft, Handel, Gewerbe, Gastronomie, Hotellerie und Touristik. Sächsischer Wein hat sich in der deutschen und europäischen Vielfalt auf hohem Niveau sein Ansehen und seinen Platz zurück erobert.