Der im Vinicultur-Büchlein abgedruckte und in diesem Reprint wiedergegebene Kupferstich zeigt die unter Churfürst Johann Georg I. gegen 1650 grundgelegte und von Baumeister Ezechiel Eckart ausgeführte Hoflößnitz etwa um das Entstehungsjahr des ”Vinicultur-Büchleins”, also 1667. Rechts im Bild sind noch zu sehen der Fachwerksbau des Bergverwalters, ein turmartiges Wasserhäuschen und dazwischen die alte, geräumige Presse, die am 10. Februar 1824 abbrannte und durch die heutigen Gebäude ersetzt wurde (REHSCHUH, 1961).
Bilder oder Portraits vom Bau- und Bergschreiber gibt es keine. Im heutigen Weinmuseum Hoflößnitz hängt das Portrait eines mit ausladendem Federbarrett geschmückten fröhlichen Zechers mit tönerner Pfeife und gläsernem Trinkhorn. ”Johann Paul Knohll” steht darunter. Aber das muß ein später nachempfundenes Gemälde sein, keinesfalls ist es aus der Zeit während der Anstellung des Bau- und Bergschreibers vor Ort, denn Tonpfeife und Trinkgefäß sind typische Zeichen aus einer Vorstellungswelt, die über ein Jahrhundert später vorherrscht und auf der Rückseite des Bildes soll die Jahreszahl 1790 vermerkt sein (SCHLIEßER, 1999). Es gab einst ein Konterfei des Berg- und Bauschreibers, das im alten Preßhaus hing (ENGELHARD, 1806; SCHUMANN, 1819). Das aber ging samt Portrait bei einem Brand 1824 total in Flammen auf.
Dreimal ist Johann Paul Knohll in den Jahren seiner kurfürstlichen Dienstzeit 1667 bis 1672 in Versform und mit Reimen belobigt oder belacht worden, zweimal davon hat er einen “vollen Strauß dieser strohenen Pathetik” abbekommen, wie Weinhold (WEINHOLD, 1956) die liebedienernden und lobhudelnden Inhalte jener Verse und Lieder apostrophiert, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts allgemeiner Bestandteil bei öffentlichen Veranstaltungen und Umzügen sind.
Zum ersten verewigte sich der Churf. S. Bibliothecarius David Schirmer auf den Anfangsseiten im “Vinicultur-Büchlein”mit einem bereits angesprochenen “Sonnet”:
“Du thust /mein Knohlle wol / daß Du Dich niedersetzest /Und schreibest uns ein
Buch / das uns den Weinbau lehrt...Ich seh den Bacchus Dir schon winden einen
Krantz /Der Dich erquicken soll / wenn Deiner Sonne Glantz /Dir schöner auff
wird gehen. Fahr fort und hau die Reben /Es wird manch Weinbergs-Herr dafür Dir
Dank noch geben.Wie aber / spricht der Neid / krieg ich hier auch mein
Theil?Auff einen harten Klotz gehört ein harter Keil.”
Posthum wurde J. P. K. zweitens musikalisch gelobt beim Winzerfest der Weinbau-Gesellschaft im Königreich Sachsen am 25. October 1840. Zur Melodie der Hymne “Freude schöner Götterfunken” intonierten einige Sassen der Lößnitzberge samt Chor bei falschem Vornamen und veränderter Amtsbezeichnung im “Gruß zum Winzerfeste”:“Peter Knoll´s auch, der vor ZeitenBergvogt in Hof-Lößnitz, denkt,Reben zog er an Geleiten,Hat den Weinstock brav gesenkt,Schnitt das Tragreis auf vier Augen,Räumt und pfählt den Mutterstock,Ließ den Karst, die Schaufel brauchen,Heften und verhau´n den Stock.Chor: Sachsens ganze WinzergildeRufe dem Altmeister Hoch!Bringt ihm Traubenopfer noch,Kränzt mit Weinlaub Ihn im Bilde.”
Zum dritten schildert Weinhold (WEINHOLD, 1965) Inhalt und Hergang einer öffentliche Aufführung eines Reimpoems nach einer “Dichtung” des Verfasser David Schirmer, seit 1656 kurfürstlicher Bibliothekar und auch Verfasser des “Sonnets” im “Vinicultur-Büchlein”. Der Text mit direktem Bezug auf Knohll und sein Weinbaubuch wurde in Szene gesetzt im Februar 1672 im riesigen Saal des Dresdner Schlosses während eines Balletts über die vier Jahreszeiten. Dem Herbst schließen sich dabei drei “volle” Winzer an, dargestellt durch den Kammerherrn und Oberschenken Chr. Ditterich von Bose, den kurfürstlichen Tanzmeister Carl du Mesniel und den fürstlich hallischen Tanzmeister La Marche, die in Mundart folgendes Reimgespräch führen:
”Glück zu lieber Nobber Jäckel. Nu wie hat der Most geschmäckt?Ha ech mech nech
in den Ding su zesoffen / daß der´s knäckt /Und der liebe Hirse-Pappe möchte mer
meinen Panzsch so pausenDaß ich kann genä-genawe mein Geschlinck in Hosen
hausenU aber loß och immär soyn / ist doch itzo unsre Zit.Dirme wärse kann su
han / nähme se ju seit lätge mitSeimer nech durchs gantze Johr steite mit der
Arbt geschorenDaß ich’s och am Jambtge ha of mei Cretz / mei Blut
verschworenMech zur Ruhe zu begän. Selts nur Eener darüm thun /Daß man für den den teufels-Städtern kan nech ungescholten ruhn /Müßen mer mer (!) armen Wüntzer uns nicht steide lassen schältenDiebe und och Ihebrecher / ja die Kinger sillens entgelten /Und das währt jä schmorgst und obends / wen mer in die Stadt nein gehenWen mer Hacken, Sencken, Brächen, Lesen, Decken und of ziehnItze woln mer das geschmahle weg und uns andr arden setzenUnd am lieben Braantel Wein / Bruder Mierten / fein ärgetzen /Nu s´gieht of Gesundheit hin Vater Bachs und seiner Fra. Je ä Schelme där nech Seifft / bis mer werden alt / und gra.”
(“Glück zu lieber Nachbar Jäckel. Nu, wie hat der Most geschmeckt?-Hab ich mich nicht damit so besoffen, daß es kracht, und der liebe Hirse-Papp (Brei) mir meinen Bauch so aufbläht, daß ich kaum mein Geschlinck (= Geschlenkere, Geschleuder, Gedärm ?) in den Hosen unterbringen kann, laß es immer sein wie´s ist, ist doch jetzte unsere Zeit.-Darum wer sie so kann haben, nehme sie (ju seit lätge) mit. Sind wir nicht durchs ganze Jahr stets mit Arbeit belästigt (gequält), daß ich auch am Jahrmarkt hab´ auf mein Kreutz, mein Blut geschworen, mich zur Ruhe zu begeben. Sollts nur einer darum tun, weil man für den Teufels-Städter sowieso nicht ohne Schelten ruhen kann. Müssen wir, wir(!) armen Winzer uns nicht ständig beschimpfen lassen als Diebe und auch Ehebrecher, selbst die Kinder sollen´s büßen, und so geht´s ja von morgens bis abends, wenn wir in die Stadt hinein gehen, wenn wir Hacken, Senken, Brechen, Lesen Decken und Aufziehn.-Jetzt wollen wir das Geschimpfe (Geschmähe, Beleidigung) vergessen und uns auf die Erde setzen und am lieben Brandwein, Bruder Langsam (Märten = Mischmasch, Trödelei usw., mögliche Bedeutung siehe oben unter “laue Märten”), fein ergötzen. Das geht auf die Gesundheit von Vater Bacchus und seiner Frau, der sei ein Schelm, der nicht säuft bis wir alt sind und grau.”)
In diesem Text wird auf all jene Vor- und Anwürfe der Liederlichkeiten, Untugenden und Unmoral der damaligen Winzer zum Schaden ihrer Bergherren angespielt, die Johann Paul Knohll den Rebleuten vorwirft. “So nimmt es nicht wunder”, kommentiert Weinhold den Grundton dieses Schwankes für Adelskreise, daß dieses Poem auf den “dummen, ungehobelten, freß- und trunksüchtigen Bauern” vom Lande abzielt.
Daß man Johann Paul Knohll gerade im Jahre seiner ungnädigen Versetzung von der Hoflößnitz nach Schulpforta 1672 in einer als “Rüpelspiel” benannten Form eines allegorischen Bühnenstück auftreten läßt, zeigt, daß sein Auftritt und Abgang in den fünf Jahren seiner Tätigkeit in der Hoflönitz doch ein paar gesellschaftliche Schleifspuren im höfischen Leben gezeitigt und eine gewisse Betroffenheit auch bei den adligen Weinbergsbesitzern und Weinfreunden hinterlassen hatte.

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